Der heutige Betrieb der Stickerei Seifert wurde am 1.Juli 1966 unter dem Namen Alfred Seifert & Söhne, Automaten-Stickerei oHG in Dörzbach am damaligen Feldweg 3 gegründet.

Die Stickereiherstellung ist aber schon länger Familientradition. Im Jahre 1901 kaufte der Richard Seifert, der Großvater bzw. Urgroßvater der heutigen Chefs, seine erste, damals noch recht kleine Stickmaschine von 4,50m Länge.

Richard Seifert wurde 1873 in Schreiersgrün im Vogtland geboren und war der Sohn eines Steinbruchbesitzers. Zu dieser Zeit herrschte im Vogtland, einem Landstrich zwischen Sachsen, Thüringen und Bayern, trotz des Wirtschaftsaufschwungs nach 1870/71 große Not unter der Landbevölkerung. Schon von seiner frühesten Jugend an musste Richard Seifert im Steinbruch seines Vaters mithelfen, natürlich ohne Bezahlung. So war es nicht verwunderlich, dass sich der junge, strebsame Mann nach seiner Militärzeit, in der er sich rund 600 Goldmark als Startkapital gespart hatte, nach einem besseren Lebensunterhalt umsah. In seinem Heimatort wurden gerade in den 90er Jahren des vorherigen Jahrhunderts immer mehr Stickmaschinen, die gerade erfunden worden waren, aufgestellt. Diese Maschinen ersetzten zum Teil die seit langer Zeit im Vogtland heimische Klöppenspitzen-Herstellung und auch die Handmaschinen-Stickerei.

Richard Seifert suchte einen Weg, diese für ihn natürlich völlig neue Tätigkeit zu erlernen. Er ging zu verschiedenen Stickern und fragte, ob er das Pantographensticken erlernen durfte. Viele lehnten ab (aus Sorge um künftige Konkurrenz). Aber einer erklärte sich dann doch bereit, ihm das Sticken gegen die Zahlung eines Lehrgeldes von 40 Mark zu zeigen. Vier Wochen durfte er nur zuschauen, aber als er die beiden 20-Mark Goldmünzen gebracht hatte, durfte er sofort auch an die Stickmaschine. Innerhalb kurzer Zeit hatte er sich alle erforderlichen Kenntnisse angeeignet, so daß er zuerst zwei Maschinen pachten und schon 1901 seine erste Stickmaschine mit 4 1/2 Meter Arbeitslänge kaufen konnte.

Richard Seifert

Der Mini-Betrieb entwickelte sich sehr gut. Richard Seifert konnte schon 1905 ein eigenes Haus bauen und ins Untergeschoß stellte er seine erste und eine neu dazu gekaufte zweite Maschine. Im Jahre 1911 erfolgte ein großer Anbau extra für zwei neue Stickmaschinen mit der für die damalige Zeit modernen 9.20 m Arbeitslänge. In der Inflationszeit 1922 wurden die ersten zwei Stickautomaten angeschafft, die mit Lochkarten gesteuert wurden. Später wurde auch noch eine Punchmaschine zur Herstellung dieser Lochkarten gekauft.

Neben diesem Betrieb gründete der älteste Sohn Richards, Alfred Seifert, im Jahre 1928 seine eigene Stickereifirma mit einem 9,20 m Stickautomaten. Nachdem Alfred Seifert im Jahr 1943 zur Wehrmacht eingezogen wurde, stickte seine Frau Liska Seifert bis kurz vor Kriegsende weiter. Produziert wurden damals hauptsächlich Wehrmachtsabzeichen, z.B. Millionen von sogenannten "Gefreitenwinkeln". Im Jahr 1946 wurde der Betrieb von Alfred Seifert durch die sowjetische Besatzungsmacht enteignet und ging in "volkseigene" Hände über. Trotzdem arbeitete Liska Seifert und ab 1949 auch ihr Sohn Johannes Seifert munter an der enteigneten Maschine weiter. Erst als die Familie im Frühjahr 1951 einen Bescheid bekam, für diese Maschine Pacht an die DDR zu zahlen, entschloss sich die Familie zur Flucht über die bereits damals stark bewachte Zonengrenze in die Bundesrepublik. Die Firma von Vater Richard Seifert war von der Enteignung nicht betroffen und so lief diese bis zum Tod von Richard Seifert im Jahr 1957 ohne Unterbrechung weiter. Diesen Betrieb übernahmen dann die drei weiteren Geschwister von Alfred Seifert zu gleichen Teilen und diese bzw. deren Nachkommen hielten die Stickereiproduktion im alten Gebäude z.T. bis zur Wende 1990 aufrecht. Seitdem ruht die Seifert’sche Stickerei in Schreiersgrün. Inzwischen war ja in Dörzbach 1966 die Fa. Alfred Seifert & Söhne OHG. durch Alfred Seifert und seine Söhne Johannes und Klaus-Dieter Seifert gegründet worden, so dass die Familie Seifert seit 1901 bis zum heutigen Tage lückenlos Stickereien in der Familie herstellt.

Richard Seifert's Haus 1905

Nach Dörzbach kam die Familie Alfred Seifert im Jahre 1952 als ein neugegründeter Stickerei-betrieb dringend Fachleute suchte. In den 50er und 60er Jahren "lief" in der Bundesrepublik die Stickereibranche auf vollen Touren. Eine Stickerei nach der anderen schoß aus dem Boden (von denen heute allerdings die wenigsten noch existieren). Was lag da näher, als den Entschluß zu fassen: Was Großvater und Vater schafften, müßte die dritte Generation auch "packen" können. So planten die Söhne Johannes und Klaus-Dieter Seifert zusammen mit ihrem Vater Alfred einen Neuanfang auf der grünen Wiese. Ein Grundstück im zukünftigen Dörzbacher Industriegebiet "In der Au" konnte erworben werden, aber Finanzierung, Auftragsbeschaffung usw. stellten doch fast unüberwindliche Probleme dar.

Anfang 1966 konnte mit den Aushubarbeiten für eine Halle von 6 x 20 m am Feldweg hinter dem Bahnhof begonnen werden. Bei allen Bauarbeiten wurde selbst mitgeholfen und so konnte manche Mark gespart werden. Mitte Mai 1966 erfolgte der Kauf eines gebrauchten 10-Yds- Stickautomaten in Italien. Diese Maschine wurde dort selbst abgebaut und mit einem riesigen Lkw nach Dörzbach gebracht. Die damaligen Verhältnisse veranschaulicht folgende Begebenheit: Der Lkw mit der aufgeladenen Maschine blieb rund 30 m vor der Halle im unbefestigten Feldweg, bis über die Räder mit Schlamm bedeckt, stecken. Erst mit mehreren Traktoren als Vorspann konnte er wieder herausgezogen werden.

Erste Bauarbeiten in Dörzbach

Ende Juni 1966 war es dann endlich soweit. Die erste Maschine lief. Am 1. Juli 1966 wurde dann offiziell die Arbeit aufgenommen. Nach einigen Anfangsschwierigkeiten, der erste Kunde hatte z.B. Ende 1966 keine Aufträge mehr, entwickelte sich die Firma dann doch recht stürmisch. Im Frühjahr 1968 kam der zweite Stickautomat hinzu. Ende 1968 erfolgte eine Vergrößerung der Produktionsfläche von 120 qm auf rund 300 qm und der 3. Großstickautomat wurde im Februar 1969 aufgestellt. Die Mode verlangte damals Stickereien und die Aufträge konnten nur mit langen Lieferfristen ausgeführt werden, obwohl zwischen 1967 und 1971 in drei Schichten produziert wurde. Nach dem Kauf eines großen 15-Yds-Stickautomaten im Jahr 1971 konnte die unbeliebte Nachtschicht gestrichen werden und in der Folgezeit wurde auf ein 2-Schicht-System umgestellt. Nach einer Phase der Konsolidierung konnte im Jahre 1978 ein weiterer Bauabschnitt abgeschlossen werden, der die Produktionsfläche auf mehr als 900 qm erweiterte. Bedingt durch den Modewandel und auch durch die überdurchschnittliche Kostenentwicklung trat im Jahr 1983 eine Stagnation ein. Das gesamte Produktionsprogramm wurde vom Bereich "Mode" auf den Bereich "Heimtex" umgestellt. Neue Artikel mußten entwickelt und neue Kunden geworben werden. Die Umstrukturierung gelang schließlich, wenn auch unter großen Schwierigkeiten.

Firma im Jahr 1970

Im Jahr 1990 begann ein neuer Abschnitt in der Firmengeschichte. Im Mai dieses Jahres wurde der erste computergesteuerte 12-Kopf-Stickautomat angeschafft, mit dem man Einzelteile und bereits zugeschnittene Teile besticken konnte. Die seit Jahrzehnten verwendeten Großstickautomaten konnten bauartbedingt nur Meterware besticken, die nachträglich zugeschnitten wurden. Diese neue Technik wurde ein voller Erfolg und es mußte bereits im Frühjahr 1991 eine weitere Maschine gekauft werden, um alle Aufträge termingerecht erfüllen zu können. Im Frühjahr 1993 wurde ein 12-Kopf-Stickautomat gegen eine Maschine der neuesten Generation eingetauscht, mit dem man nun Muster mit 11 Farben und einem Stickfeld von 50 x 40 cm herstellen konnte. Die Produktionskapazität steigerte sich durch diesen neuen Automaten ganz erheblich. Ein weiterer Schritt erfolgte im November 1993 durch den Kauf einer 2-Kopf-Stickmaschine, die als Mustermaschine diente und zudem als Besonderheit Baseball-Caps besticken konnte. Auf dieser Maschine werden heute speziell kleine Serien für Vereine, Clubs etc. z.B. mit Einzelnamenbestickung hergestellt. Um den gestiegenen Bedarf nach bestickten Baseball-Caps befriedigen zu können, wurde 1996 ein weiterer 6-Kopf-Stickautomat gekauft, auf dem neben den erwähnten Caps auch im Freiarm-Betrieb T-Shirts, Sweat-Shirts und ähnliche Produkte bestickt werden können.

Schon im Jahr 1979 wurde im Zuge des Firmenwachstums aus der OHG. eine GmbH. Alfred Seifert, der ja schon bei der Neugründung 1966 Rentner war, half fast noch 30 Jahre täglich in der Firma mit und er war als Puncher (Hersteller der Lochkarten-Programme) fast unersetzbar. Er starb nach einem arbeitsreichen Leben im Alter von 95 ¼ Jahren im Dezember 2004. Sein Sohn Johannes Seifert, Mitbegründer aus dem Jahr 1966, schied 1996 altershalber aus der Firma aus. Im Jahr 1997 trat Frank Seifert, der Sohn von Klaus-Dieter Seifert, in die Firma ein. Er hatte vorher BWL in Würzburg studiert und brachte viele gute Ideen mit. Damit begann ein völlig neuer Abschnitt in der Firmengeschichte. Eine der wichtigsten Neuerungen war der sehr frühe Internet-Auftritt mit einer selbst geschaffenen Homepage. So bekam der Betrieb in der 4. Generation einen neuen Wachstumsschub.

Großstickautomat

Im Frühjahr 1998 erweiterte die Stickerei Seifert nochmals Ihre Kapazität durch den Kauf eines 8 - Kopf-Stickautomaten. Auch diese Maschine kann universell für die verschiedensten Stickereien von einem bis zu vielen tausend Stück eingesetzt werden. Im August 2000 wurde eine weitere 6 - Kopf-Freiarmmaschine angeschafft, die den Maschinenpark abrundet (270 Grad Rahmentechnik zur Rundumbestickung von Caps !). Durch diese Kapazitätsausweitung ist es möglich, sehr flexibel auf die stark schwankenden Auftragsmengen zu reagieren. Rein theoretisch ist jetzt im Capbereich bei kleinen Mustern eine Menge von 10 000 Stickungen pro Woche machbar !

Im Sommer 2000 hat die Stickerei Seifert ihre Produktionsfläche durch einen Erweiterungs-bau auf rund 1300 qm erhöht. Sämtliche Arbeitsvorgänge wurden in der neuen Fertigungs-halle konzentriert, so dass nunmehr sehr rationell durch kurze Wege von Produktionsschritt zu Produktionsschritt gearbeitet werden kann. Im Juni 2002 wurde als optimale Ergänzung ein weiterer Stickautomat mit 10 Köpfen und einem extrabreiten Stickfeld von 50 cm angeschafft. Damit ist man in der Lage z.B. große Rückenstickereien im Freiarmbetrieb herzustellen. Weiterhin wurde im Herbst 2002 eine neue 1-Kopf-Maschine "Sprint" angeschafft, die für die Musterung von neuen Produkten geradezu ideal ist.

Weitere neue Stickautomaten folgten in den Jahren 2003, 2004, 2006, 2007, 2008, 2010 und 2012, so dass die Stickerei Seifert heute mit 13 Maschinen über einen hochmodernen, abgerundeten Maschinenpark verfügt, mit dem praktisch alle Kundenwünsche in kürzester Zeit erfüllt werden können. Das Durchschnittsalter des gesamten Maschinenparks liegt heute bei ca. 3 Jahren. Dieser Wert spricht für sich selbst.

Stickautomat

Nicht zu vergessen sind natürlich auch die benötigten Hilfsmaschinen, die einer besonders rationellen Produktion dienen. Dazu gehören Zusammenlegmaschinen, Verpackungsmaschinen, Spulmaschinen, Vliesschneidemaschinen usw. usw. Auch hier wurde darauf geachtet, dass stets die modernsten und leistungsfähigsten Maschinen zur Verfügung stehen.

Auch im Bereich der Stickprogramm-Erstellung wurde stets in die neueste Software investiert und somit kann die extrem gestiegene Nachfrage gedeckt werden. Die Übermittlung der Motive per Mail, quasi in die ganze Welt, beschleunigt den Weg vom Entwurf zum fertigen Programm erheblich. War vor 20 Jahren immer noch ein Tag Postweg zwischen Kunde und Stickerei notwendig, so dauert dieser Vorgang heute nur noch wenige Sekunden.

Die jährlich steigenden Umsätze führten zwangsläufig zu einem erhöhten Platzbedarf. So wurde im Jahr 2007 eine neue Lagerhalle mit über 330 qm Nutzfläche errichtet. Dadurch erhöhte sich die gesamte Produktionsfläche auf über 1700 qm. Im Zuge dieses Anbaus wurden auch die gesamten Außenanlagen neu gestaltet. Es entstanden über 30 neue Parkplätze für Kunden und Mitarbeiter. Viele Bäume wurden neu gepflanzt und das Grundstück, auch zur Erhöhung der Sicherheit, eingezäunt.

Firma Außen

Den bisherigen Schlusspunkt setzte unser Senior-Chef Klaus-Dieter Seifert, denn er erfüllte sich im Jahr 2010 einen langgehegten Wunsch mit dem Erwerb eines uralten „WÜRKER“-Stickautomaten. Diese Ur-Maschine aller Mehrkopf-Stickmaschinen hat nach erfolgter Instandsetzung einen Ehrenplatz im Eingangsbereich unserer Firma erhalten. Der Prototyp dieser damals völlig neuartigen Maschine wurde 1926 von der Fa. Würker in Dresden gebaut. Um 1927 kamen dann die 3-Kopf-Maschinen auf den Markt und es wurden bis etwa 1940 rund 4000 Stück dieses Typs hergestellt. Unsere Maschine hat die Maschinen-Nr. 682 und stammt somit vom Anfang der dreißiger Jahre des vorigen Jahrhunderts. Mit diesen sogenannten Mehrkopfautomaten konnte man erstmals fertige Wäsche- und Bekleidungsteile besticken. Der letzte Arbeitsplatz unseres Museumsstückes befand sich in der VEB Nachtwäschefabrik Obercrinitz-Herlagrün.

Zum heutigen Zeitpunkt beschäftigen wir rund 70 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die in verschiedenen Abteilungen für einen reibungslosen Betriebsablauf sorgen. So stellt sich heute die Stickerei Seifert als eine der modernsten deutschen Stickereien dar. Eine konsequente Ausrichtung auf Qualitätsprodukte hat uns zu einer der größten deutschen Betriebe Ihrer Branche wachsen lassen.

Würker Stickmaschine